In meiner letzten Junioren-Saison durfte ich gleich bei zwei internationalen Bewerben antreten – der Junioren-WM (JWOC) und dem Junioren-Europacup (JEC). Erstere fand ausgerechnet in keiner anderen Orienetierungslaufnation als Schweden statt, während der JEC in unserem auch nicht unwichtigen OL-Nachbarland, der Schweiz, ausgetragen wurde. Zwei würdigere Destinationen als „Krönung“ meiner Laufbahn im Nachwuchskader hätte ich mir nicht ausdenken können.
JWOC 2026 – Karlskrona, Schweden: Da ist alles dabei: Sprint & Mixed Sprint Staffel, Lang, Mittel und Staffel:
Wo findet man in Schweden das technisch schwierigste & geeignetste Gelände für eine JWOC in Schweden? Überall, möchte man meinen, aber auf den Karten in und um Karlskrona herum im schönen Südschweden wurde diesem Anspruch noch ein Ausrufezeichen mehr dahintergesetzt. Die Wettkämpfe waren von der Kartenqualität und der Bahnlegung her top organisiert, gerade in den Waldgebieten erwies sich das feinorientieren im Postenraum als besonders schwierig.
Die Sprint-Bewerbe wurden direkt in Karlskrona ausgetragen. Diese Stadt liegt als eine eigene Halbinsel vor der Küste Südschwedens in der Ostsee. Ein Vergleich mit Venedig ist zu gewagt, aber die Lage kann man sich zumindest so ähnlich vorstellen. Außerdem ist die schwedische Hafenstadt alles andere als verwinkelt: große Straßen verlaufen bis auf wenige Ausnahmen meist schachbrettartig zueinander, etwas komplexer sind die Parks und Innenhöfe der Stadt aufgebaut. Als Zielarena diente der zentral gelegene Hauptplatz, auf den man sogar ein paar Höhenmeter bewältigen musste. Letztendlich vollendeten künstliche Sperren die herausfordernden Bahnen, mit denen nicht gespart, aber auch nicht übertrieben wurde.
Als größte Challenge im Einzelsprint erwiesen sich die schwierigen Teilstrecken mit mehreren Routen-Möglichkeiten. Beispielsweise gab es von Posten 3 zu Posten 4 drei unterschiedliche Varianten, bei denen überall entweder Gebäude, Mauern oder künstliche Sperren großzügig umlaufen werden mussten. Tatsächlich gab es noch eine vierte weniger offensichtliche Option, bei der eine der künstlichen Sperren in einem Innenhof quasi „übersprungen“ werden konnte, wodurch man sich einige Meter sparte. Die wenigsten Athlet:innen erkannten diese Route, und nachdem ich selber schon mindestens 10 Sekunden zu lang beim 3. Posten überlegt hatte, welche der anderen Routen ich jetzt nehmen sollte, wäre mir sie auch nach einer Minute länger planen bestimmt nicht aufgefallen.
Auf der Langdistanz erwarteten mich stolze 12,6 OL-Kilometer in den technisch anspruchsvollenen Wäldern von Augerum (etwas nördlich von Karskrona). Für Mittel und Staffel war ein anderes Gelände vorgesehen, das technisch noch eine Spur anspruchsvoller war: die Wälder von Bussevik. Eine Besonderheit in diesem Gelände sind die zahlreichen Felsplatten (auf den Karten als gelbe Flächen eingezeichnet), die gut belaufbar und essenziell für die Orientierung sind. Dazwischen prägten wieder Birken- und Mischwälder mit Sümpfen und Bodenbewuchs das Gebiet. Wege gab es so gut wie keine. Perfekte Bedingungen also, um sich im Gelände komplett zu verlieren und nie wieder aufzufangen. Die Mitteldistanz forderte technisch alles ab: genaues Richtunglaufen, genaues Kartenlesen, genaues Feinorientieren und höchste Konzentration. Ein Rezept, dass nur die Besten 18 Posten lang auf 4,5 Kilometern aufrecht erhalten können.
Ich darf dieses Jahr wieder auf eine JWOC mit Höhen und Tiefen zurückblicken: von meinen besten Ergebnissen bei den Sprint-Bewerben bis zu den hoffnungslosesten Situationen in den südschwedischen Wäldern. Aus dieser Woche konnte ich wieder unglaublich viel orientierungstechnisch lernen. Umso mehr freut es mich, dass ich viel Gelerntes aus den letzten Jahren bei dieser JWOC umsetzen konnte – und mich auch physisch verbessert habe.
JEC – Luzern, Schweiz: Staffel, Sprint und Lang in hochalpinem Terrain!
Für die Staffel diente ein Wald bei dem Städtchen Willisau als Wettkampfgelände. Ein an sich tolles Gebiet – steile Gräben wechseln ab mit flachen Waldstücken, teilweise fühlt man sich wie in einem Urwald mit alten, morschen Bäumen in den Bachgräben – wären da nicht die verdammt vielen Dornen, die den gesamten Wald übersäen. In dem Skiort wurden extra für den Sprint so gut wie alle Privatgärten Teil des Laufgebiets. Zwischen den Ferien- und Wohnhäusern führten zahlreiche Passagen zu den Posten.
Vorausplanen erwies sich als besonders schwierig, da man mit dem Fokus immer beim nächsten Schritt sein musste – sich zu merken „1x links, 2x rechts“ reichte leider nicht aus, da man immer auch die Karte mit der Umgebung abgleichen musste. Zwischendurch verliefen Teile der Strecke durch ein kleines Waldstück, über eine Lawinenschutzmauer und den einen oder anderen Bach, während man im Wohngebiet mit dem Rasenmäher um die nächste Ecke rechnen musste. Olivgrün gab es wie gesagt fast keines auf der Karte.
Mein letztes „großes“ Rennen im österreichischen Junior:innen-Team bestritt ich auf der „Rossweid“: einem Gebiet rund um einen etwas „sanfteren“ Berg mit einigen Mooren, Skiwiesen und Steinfeldern. Das ideale Gebiet für alpinen OL. Zum Start ging es natürlich mit der Gondel, der ein wenig unterhalb vom Gipfel auf etwa 1500m lag. Da die Talstation als Zielarena genutzt wurde, hieß das erfreulicherweise auch, dass es auch viel bergab gehen würde. Natürlich gab es immer noch 470 Höhenmeter zu bewältigen. Auch das Wetter spielte mit, so stand einer unvergesslichen Langdistanz nichts im Wege: Spätestens bei der Überquerung des Sattels zwischen den zwei Gipfeln des Berges – der letzte Anstieg war hier im Gegensatz zum Plateau besonders steil – vergrößerte sich mein Abstand auf die anderen. Oben am Sattel angenommen musste ich sowieso erst den Blick hinter den Berg kurz genießen, schließlich kann man so ein Panorama trotz Wettkampf nicht unbeachtet lassen …
Auf der nächsten Teilstrecke traf ich wohl meine beste Entscheidung während des gesamten Rennens: anstatt nochmals über den Berg wie meine zwei Konkurrenten zu hatschen, umlief ich in etwa auf der Höhe den gesamten Gipfel – und sparte mir einen enormen Anstieg. Als ich dann tatsächlich beim nächsten Posten auch noch kurz vor den anderen zwei Läufern ankam, ließ das mein Selbstvertrauen gewaltig ansteigen.
Somit darf ich also auf zwei besonders schöne internationale Events in diesem Jahr zurückblicken – die harte Arbeit in den vergangenen fünf Jahren im Nachwuchskader hatte sich mehr als bezahlt gemacht. Vielen Dank an alle, die mich in dieser Zeit unterstützt und gefördert haben! Ich freue mich bereits auf die kommenden Herausforderungen im Elitekader!
Wer Lust hat, noch mehr mit Maximilian mitzulaufen, mitzukämpfen und mitzufiebern kann sich einen noch viel ausführlicheren Bericht mit vielen weiteren Details zu den Läufen durchlesen!
BGF
Links JWOC:
Homepage: https://www.jwoc2026.se/
IOF-Live Center: https://orienteering.sport/event/junior-world-orienteering-championship-2026/welcome/
Links JEC:
Homepage: https://ol-soerenberg2026.ch/jec/
