Mut gehört im Orientierungslauf bekanntlich dazu. Diesmal brauchte es allerdings noch eine Portion Experimentierfreude: Statt der gewohnten, hochpräzisen OL-Karte wurde beim 5. Tirolcup auf der ÖK (Austrian Map) orientiert. Ein alpiner OL also – Karte mit weniger Details, dafür umso mehr Bergen. Der Mut der Naturfreunde Kitzbühel wurde jedenfalls belohnt: mit bestem Spätsommerwetter und einer ordentlichen Portion Höhenmetern.
Bei durchaus frischen 8 °C ging es in Aurach los. Die ersten 350 Höhenmeter führten hinauf zum Start auf der Wildalm. Dort erwarteten uns bei strahlendem Sonnenschein dann deutlich angenehmere Temperaturen – und ein herrlicher Blick auf die Kitzbüheler Alpen.
Nach dem Start hieß es zunächst einmal, sich in der ungewohnten Karte zurechtzufinden. Die ersten Posten waren über einen teilweise noch leicht abschüssigen Weg rasch erreicht. Spätestens mit dem Wechsel in den Anstieg änderte sich allerdings das gefühlte Vorankommen deutlich. Eine Äquidistanz von 20 Metern lässt Anstiege auf der Karte schließlich recht harmlos aussehen. In der Realität türmten sich jedoch steile Wiesenhänge vor uns auf.
Jetzt hieß es: durchhalten, ruhig bleiben und vor allem nicht zu früh einen Posten hinter einer der zahlreichen Baumgruppen vermuten. Denn während man auf der Karte noch überzeugt war, längst am richtigen Ort zu sein, versteckte sich der gesuchte Posten in der Realität gerne noch ein paar Höhenmeter weiter oben.
Im freien Gelände des zweiten Laufteils war dann vorausschauendes Orientieren gefragt. Die weit verstreuten Postenstandorte mussten zunächst einmal im Gelände ausgemacht und anschließend möglichst zielsicher angelaufen werden. Ein etwas anderes OL-Erlebnis als gewohnt – und gerade deshalb eine spannende Herausforderung.

Im Ziel auf der Hochwildalm waren die Strapazen des Laufes dank der leckeren Speisen des Hüttenteams und der prachtvollen Aussicht schnell vergessen. Eine rundum gelungene Veranstaltung der Naturfreunde Kitzbühel, die sich definitiv ein größeres Starterfeld verdient hätte!
Zurück auf die Wildalm
Lang gediente Orientierungsläuferinnen können sich vielleicht noch an frühere OLs auf der Wildalm in 2005 und 20212 erinnern. Die Tiroler Meisterschaft Ultra-Lang im Jahr 2012 fand bei völlig andere Wetterverhältnisse statt. Nebel, starker Regen und tiefe Temperaturen forderten die Teilnehmerinnen damals ordentlich heraus.
Einer jener Teilnehmer, die den widrigen Bedingungen erfolgreich trotzten, war Engelbert Prohaska von den Naturfreunden Kitzbühel. Die heurige Veranstaltung wurde von den Naturfreunden Kitzbühel in memoriam Engelbert ausgetragen. Er wurde leider während der Pandemie viel zu früh aus dem Leben gerissen.

So verband der 5. Tirolcup nicht nur anspruchsvollen alpinen Orientierungslauf mit spätsommerlichem Kaiserwetter, sondern erinnerte auch an einen engagierten Orientierungsläufer und Wegbegleiter der Naturfreunde Kitzbühel.
WM
